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Von Michaela Kirschning
Eine junge Frau in dunkler Bekleidung läuft einen Parkweg entlang. Rückenansicht. In einiger Entfernung, zur Linken des Wegs kommt ihr eine dunkel gekleidete Gestalt entgegen, die von der dichten Vegetation größtenteils verdeckt ist. Hinter einem Busch auf der rechten Bildseite kommt ein weiteres Beinpaar zum Vorschein – ein Detail, das man nur wahr nimmt, wenn man lange genug hinschaut. Die Szenerie an sich ist nicht spektakulär, sondern beinahe alltäglich. Ungewöhnlich hingegen ist das Format der Fotografie, die mit ihren 2,50 x 1,60 m eine Präsenz schafft, die mich immer tiefer in das festgehaltene Geschehen hinein zieht.
Ich beginne, die Signale und Zeichen in der Parklandschaft zu scannen und zu deuten. Das ist ein alltäglicher Vorgang, der permanent, aber weitgehend unbewusst abläuft und auch unserer Spezies seit Jahrtausenden das Überleben sichert.
Die zufällige Konstellation der Personen auf der Fotografie, von der Künstlerin aufgenommen und somit „eingefroren“ (wohlgemerkt mit einem Gefühl für den perfekten Augenblick) löst eine ganze Reihe von Emotionen, Fragen und letztlich Erkenntnissen aus. Ich versetze mich in die Frau auf dem Foto, frage mich, was in diesem Augenblick wohl in ihr vorgeht. Während ich das Bild aus einer gewissen Entfernung betrachte, werde ich selbst zu einem Teil der Szenerie und verwandle mich in die Person, die der Frau auf dem Weg folgt, wobei ich zugleich die Perspektive der Künstlerin einnehme.
Viel später, zuhause in den eigenen vier Wänden, beschäftigt mich noch immer, was ich beim Betrachten der Fotografie erlebt habe. Warum hinterlässt gerade diese Arbeit einen solch tiefen Eindruck bei mir?
Abgesehen von der komplexen Bildkomposition (die der Fotografin zu Folge nicht gestellt wurde) spielt bei der Wirkung eines Kunstwerks das Prinzip der Resonanz mit Sicherheit eine entscheidende Rolle. Etwas an dem Bild hat mich angesprochen und dazu gebracht, mich einzulassen und genauer hin zu schauen. Das hat mich schließlich von der im Bild festgehaltenen konkreten Situation weggebracht, hin zu einer Betrachtung der dahinter liegenden Muster. Letztlich hat mich die großformatige Fotografie dazu inspiriert, über Phänomene im Bereich der „Wahrnehmung“ nachzudenken.
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Als Mensch, zumal als Städterin bin ich ständig damit beschäftigt, aus der Fülle der Signale, die meine Umgebung aussendet, zu selektieren, zu deuten und zu entscheiden, was für mich persönlich von Bedeutung ist und meine Aufmerksamkeit oder Wachsamkeit verdient. Insofern stellt die Fülle und Vielfalt der visuellen und akustischen Impressionen, denen wir Großstadtmenschen in hohem Maße ausgesetzt sind, eine spezielle Herausforderung dar. Mir scheint, dass für das Kunst- und Kulturfestival 48 Stunden Neukölln Ähnliches gilt. Das Festival bietet eine Fülle von Möglichkeiten, sich ein individuelles Programm zusammen zu stellen und den eigenen Spuren zu folgen. Dafür muss ich als BesucherIn allerdings die „Leistung“ erbringen, mich eingehend mit dem Angebot zu beschäftigen. Ich könnte mir vorstellen, dass für Menschen, die Kunst und Kultur nicht nur konsumieren wollen, genau dieser Aspekt des Festivals besonders reizvoll ist.
In den letzten drei Jahren habe ich wiederholt Entdeckungen gemacht, sprich ich bin mit Arbeiten in Berührung gekommen, die einen bleibenden Eindruck hinterlassen haben. Darunter waren auch sehr spezielle Arbeiten zu speziellen Themen, die an entlegenen Orten präsentiert wurden und nicht unbedingt ein Besuchermagnet waren. Bei den 48 Stunden Neukölln hat auch das Ausgefallene seinen Platz.
Aus der Perspektive des Organisationsteams der 48 Stunden Neukölln, dem auch ich angehöre, ist was das Wachstum der Veranstaltung anbelangt, in diesem Jahr eindeutig eine Grenze erreicht worden. In den kommenden Monaten wird es darum gehen, nach Lösungen zu suchen, die Zahl der Veranstaltungen in einem überschaubaren Rahmen zu halten, ohne den offenen Charakter des Festivals zu gefährden. Wir verstehen die 48 Stunden Neukölln als einen offenen Raum, der von den vielen Akteuren gemeinsam gestaltet wird und ich möchte an dieser Stelle nochmals an alle LeserInnen appellieren, mit einem eigenen Beitrag im Blog Impulse zu setzen und sich auf diese Weise aktiv an der Gestaltung des Festivals zu beteiligen.
























