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Nach dem Festival ist vor dem Festival

Von Ulrike Dörner

48 STUNDEN NEUKÖLLN sind bei traumhaftem Wetter und trotz Fussball-WM mit großem Erfolg über die Bühne(n) gegangen. In unserer Reihe „hinter den Kulissen des Festivals“ unterhalten wir uns jetzt mit Martin Steffens, seit 2008 in der Festivalleitung.

Lieber Martin, zunächst die Frage, die auch schon deine Vorgänger gestellt bekommen haben: Was hat Dir persönlich am besten gefallen?

Gefallen hat mir, dass das Festival ohne große Zwischenfälle mit guter Laune und bei gutem Wetter stattgefunden hat. Besonders freue ich mich über die zahlreichen Neugierigen, die Neukölln und die zahlreichen Kunstorte erkunden und dabei (fast wie bei einer Schnitzeljagd) spannende Dinge aufspüren.

Für mich selbst gab es auch viele positive Überraschungen. Klasse Kunst, nette Menschen und auch für mich neue Konstellationen und Zusammentreffen.

Immer wieder bin ich erstaunt über das ungeheure Engagement aller Beteiligten. Zufrieden bin ich auch mit der Resonanz von BesucherInnen und KünstlerInnen, die uns ein gutes Gefühl gegeben haben.

Wird es bei den zukünftigen 48-STUNDEN Veränderungen geben? Und wenn ja, welche?

Jede 48 STUNDEN NEUKÖLLN sind neu. Wir versuchen aber, im kommenden Jahr einige Schrauben zu verstellen. Wir freuen uns daher auf anregende Gespräche mit den unterschiedlichen Akteuren und den BesucherInnen. Denn wir selbst erleben ja möglicherweise eine „andere“ Veranstaltung als jene, die zum ersten Mal kommen. Unser Ziel ist es, das Festival 2011 übersichtlicher zu gestalten. Wir werden versuchen, die Anzahl der teilnehmenden Orte zu verringern, ohne den offenen Charakter des Festivals zu gefährden. Das Thema wird wichtiger werden und von daher auch die inhaltliche Auseinandersetzung weiter in den Fokus rücken.

Die allgemeine Wirtschaftslage wird ja nicht besser. Meinst Du, dass das Festival mit drastischen Kürzungen rechnen muss?

Ich bin zuversichtlich. Die Finanzierung von Seiten des Bezirksamts ist voraussichtlich nicht gefährdet. Die [Aktion! Karl-Marx-Straße] wird in den nächsten Jahren die Organisation der Kunstfiliale Passage unterstützen und unsere treuen Sponsoren werden uns zweifellos auch nach Kräften unterstützen. Genug Geld kann ein Festival von der Größenordnung der 48 STUNDEN NEUKÖLLN niemals haben.

Betonen muss ich aber, dass das meiste Geld von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern eingebracht wird, ohne deren Arbeit und Eigenfinanzierung nichts oder doch nur wenig laufen würde.

Wir gehen mal davon aus, dass es im nächsten Jahr wieder 48 STUNDEN NEUKÖLLN geben wird. Welchen thematischen Schwerpunkt wird das Festival haben?

Wir wagen uns an ein provokantes Thema. Es geht um das Spannungsfeld von Luxus und Existenz. Es gibt ja gerade heftige Debatten um eine drohende oder bereits einsetzende Gentrifizierung in Neukölln und den Anteil der KünstlerInnen an diesem Prozess. Zugleich stellt sich aber auch die Frage, ob Kunst Luxus ist oder nicht eher ein existenzielles Ausdrucks- und „Lebensmittel“. Auch wollen wir Künstlerinnen und Künstler ermuntern, ihre Lebensrealität im Kontext gesellschaftlicher Prozesse zu reflektieren; dabei aber auch über den Tellerrand der eigenen Erfahrung hinaus zu schauen. Ich glaube, dass wir damit vielfältige Projekte anstoßen und realisieren können, die dann wiederum wichtige Impulse in die Gesellschaft geben.

Lieber Martin, vielen Dank für dieses Gespräch.

Die Frage „Wie zeigt sich 48 STUNDEN in der Zukunft“ wollen wir gerne zur Diskussion in den Blog stellen. Schreibt uns als Kommentare eure Meinung und eure Vorschläge dazu.

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