Willkommen im Gästebuch der 48 STUNDEN NEUKÖLLN

Wir freuen uns über Ihre Anregungen und Kommentare!
Ihr 48 STUNDEN-Team
seid weiter so fleißig. Dieser Blog ist eine tolle Idee.
Wir freuen uns auf wunderbare 48 Stunden Neukölln 2010. Wir im Richardkiez sind jetzt auch in der heißen Phase der Vorbereitung. Wir basteln, putzen, werken, malen, sprühen, schreiben, nähen, kritzeln, schneiden, kochen, fotografieren, zeichnen, machen Kunst.
Beste Grüße, Tanka Ticker aus der Souvenirmanufaktur Berlin
| (2) Sylvika Lohblum So, 13 Juni 2010 17:46:50 +0200 |
hab grad das Programm von vorne bis hinten durchgelesen und freue mich schon total auf das nächste Wochenende! Haltet durch, bleibt tapfer. Dank und Gruß aus der Nachbarschaft
Neuköllner Yusuf Bayrak lädt Nachbarn ein. Ort: Hof Karl-Marx-Straße 166 - 12043 Berlin - Neukölln 25.06.2010 - Fr 20:00 — 22:00 26.06.2010 - Sa 12:00 — 22:00 27.06.2010 - So 12:00 — 19:00 Neuköllner Yusuf Bayrak lädt Nachbarn zu Kaffee / Tee und Kuchen ein ( Kostenlos ) Hier können Sie in einem wunderschönen Garten bei Kuchen, Kaffee oder Tee über Neukölln oder das Festival plaudern und sich von den kulturellen Anstrengungen erholen. Jeder ist Herzlich willkommen. Everyone is welcome. Każdy jest mile widziany. Herkese açığız.
http://www.48-stunden-neukoelln.de/2010/programm.html date=25&starttime=19&kategorie=10&area=19&serie=0&suche=Neuk%C3%B6llner+Yusuf+Bayrak+&s=GO%21
Was Emerson Metonomie nannte, bedeutet ein Wort oder ein Bild für ein anderes zu verwenden. Er betrachtete die Welt als symbolisch, und alle diese Symbole oder Formen als flüchtige und konvertible Ausdrücke. Die Macht des Künstlers sah er in der Beherrschung dieser Symbole. Alles kann er in dem Sinne ausdrücken, den er ausdrücken will. Sein Vergnügen und seine Liebe kommt eben aus seinem Wissen um die Macht der Metonomie.
Die Sonne auf der Schulter etwa, deren Strahlen fein bis hin zu Brust und Rücken reichen. So ein Tattoo kann einen Übergangsritus anzeigen. Einen ungeschützten, weil undefinierten Zustand zwischen Anfang und Ende des Übergangs. Vor allem in nicht-industriellen Gesellschaften waren solche Riten fester Bestandteil des sozialen Lebens. Auch antike Mysterienkulte oder Rituale zur Aufnahme in einen geistlichen Orden wurden durch solche Zeichen markiert. Das Tattoo kann der bezeichneten Person im Idealfall ein Ansporn sein. Die Zeichnung selbst geht nämlich über die Person hinaus. Ordnet sie wie ein Geheimzeichen irgendwo ein. Die über der Schulter eines Menschen aufgehende Sonne, strahlt mit ihrer magisch-religiösen Funktion einem entgegen. Wenn ein solcher Mensch sich neben einem aufrichtet kann sein Tattoo erst seine ganze Wirkung gewinnen. Sein Aufwachen fällt immer zusammen mit dem symbolischen Aufgehen der Sonne über seinem Rücken.
Auch die überall vermehrt auftauchenden Tattoos stehen für die neue, sich jetzt durchsetzende Ästhetik des Alltagslebens. Die Zeichen stehen für einen Übertritt in eine andere Ordnung. Die Gleichung heißt Schönheit = Echtheit. Und erst das Tattoo, so suggeriert es, macht seinen Träger echt. Da erst durch den Verfall der Aura der alten Kultur eine neue Beziehung zwischen der Kunst und den Menschen der neuen Kultur entstehen kann, sind die Tattoos dazu da - genauso wie Photographien sind sie gleichzeitig Objekte und Bilder - diesen Übergang zu markieren: Wo die offizielle Kunst die Macht der Offenbarung eingebüßt hat, hat sich diese Macht auf das nackte direkte Leben verlagert. Wie die frühen Photographien offenbaren die Tattoos einen unerwarteten und unbekannten Reichtum des Wirklichen. Das Modell ist bei dieser Kunst nicht mehr anonym, sondern das Kunstwerk selbst. Ich bin mein eigenes Kunstwerk. Wer mich tätowiert hat ist unwesentlich, sagen diese Zeichen. Denn: Die Kunst besteht einzig in der für einen genau richtigen Auswahl des passenden Tattoos. Wie in diesem Film, dessen einziger Star ein Roboter in der Schweiz ist, der ein dreidimensionales Gemälde aus Mauersteinen zusammensetzt. Jeder Mauerstein entspricht in der Logik des Roboters einem Pixel.
Die Zufälligkeit eines den Augen dargebotenen Tattoos hält die Wirklichkeit scheinbar an. Nach Benjamin ist der Gegensatz zwischen Zeichen und Mal metaphysisch. Das Zeichen hat eine Beziehung zum Raum und zur Person, das Mal eine zeitliche Beziehung, die das Persönliche ausschließt. Während das Zeichen ausgedrückt wird, tritt das Mal hervor. Die graphische Linie ist relativ. Das Mal hingegen ist immer absolut. Es erscheint am Lebendigen wie die Wundmale Christi. Das Mal hat mit Unschuld und Strafe zu tun und verbindet so Vergangenheit und Zukunft in magischer Weise. Schließlich kommt das Wort Malerei von Mal, womit wir auch bei der Verbindung zwischen Mal und Magie wären. In der Magie sind die Zeichen die Hüter der Wirklichkeit. Wenn das Mal nicht mehr in der Malerei zu Hause ist, schreibt es sich wie von selbst auf die Körper unserer Mitmenschen.
Das Tattoo als Alltagserscheinung wälzt unsere Wahrnehmung von Kunst, Natur und Wirklichkeit um. Erzeugte einst die Kunst durch ihre Interpretationen der Natur eine bestimmte Wirklichkeit als Ismus oder Ideologie, befreit die kommende Kultur sich von solchen Vermittlungen. Kunst, Kultur und Vermittlung fallen im Tattoo zusammen. Durch das Tattoo wir der Mensch teil der Wirkung die die Kunst auf ihn hat. Die Macht, die die Interpretationen der Kunst bisher auf ihn hatten verflüchtigt sich. Der Mensch übernimmt die Macht über die Zeichen, die ihn bislang bestimmten. Sein Logo erhöht ihn und gibt ihm zurück was der Warencharakter der Dinge, mit denen er sich umgab, ihn nahm. Durch das Tattoo, oder jeden anderen selbst gewählten Alltags-Kunstgegenstand, kann der Mensch einen Zwischenbereich aus Anonymität und Kenntlichkeit betreten. Nur der Träger kennt den geheimen Sinn seines Tattoos und so entzieht er sich der Fremdbestimmung ihm umgebener Mächte. ( Es sei denn sein Tattoo ist Teil etwa eines Codes eines etablierten Syndikates. In einem solchen Fall wäre allerdings die Seele verkauf, wie es so eindringlich Eastern Promisses (2004) von David Cronenberg gezeigt hat, oder in anderer Variante Sin Nombre (2009) von Cary Fukunaga. )
Kunstwerke der Gegenwart haben zumeist ihre Magie verloren, da sie bereits mit Verweis auf ihren Platz in einer für sie sich darbietenden Kulturindustrie produziert werden. Der wahre Betrachter ist für sie eine Art priesterlicher Vermittler, sprich Kurator. Das Kunstwerk kann nicht mehr direkt erlebt werden innerhalb einer Kultur die sich der Vermittlung der Kuratoren ergibt. Es ist auf das Wesen des Kurators abgerichtet, durch den es hindurch erlebt wird, weil er das Kunstwerk auswählt, präsentiert und oft auch in Auftrag gibt. Da der Kurator, wie der Priester, der falsche Übermittler ist - denn wie soll er seine Position der Macht rechtfertigen - ist die Magie aus der Kunst gewichen. Nietzsche sagte wenn die Christen an Gott glauben würden, hätten wir das mitbekommen. In diesem Sinne glauben die Kuratoren auch nicht an ihre Kunstwerke, denn wenn diese Magie besäßen, wären sie in ihrer Funktion als Kuratoren überflüssig.
Wir erleben eine Umwälzung in der Wahrnehmung des Menschen. Indem die Kunst im Alltag sich durchsetzt, gewinnt der Mensch eine ungeahnte Autonomie.
über 100 Fotos von der diesjährigen 48 Std- Veranstaltung.
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liebe Grüße Jan
catonbed.de webportal der Berliner Kunstszene
























