von Ulrike Dörner
Wir wollen in unserem Festival-Blog in einzelnen Interviews auch die Menschen vorstellen, die hinter den Kulissen von 48-Stunden-Neukölln arbeiten.
Unser erstes Gespräch führen wir mit Ilka Normann, die vier Jahre lang das Festival geleitet hat, bis sie die Leitung im letzten Jahr an Martin Steffens übergeben hat.
Ilka Normann ist seit 2008 Geschäftsführerin des Kulturnetzwerk Neukölln e.V., welches die 48-Stunden-Neukölln seit 1999 veranstaltet. Ilka Normann hat davor bereits einige Jahre lang im Museum Neukölln für das Festival gearbeitet und war somit von Anfang an dabei.
Ilka, du hast 2005 die Leitung des Kulturfestivals 48-Stunden-Neukölln übernommen. Was hat dich an dieser Aufgabe besonders gereizt?
Ilka: Gereizt hat mich einfach die Größe des Ganzen. Es war schon zu dem Zeitpunkt klar, dass das so an die 100 Orte sein werden. Aber was die Anerkennung anbelangt, da hatte das Festival sowohl seitens der Kultureinrichtungen und Künstler als auch der Politik seinen Tiefpunkt erreicht. In den Jahren zuvor wechselte die Projektleitung häufig, es hatte keine klare Stringenz und es war klar, dass wir gegen viele Windmühlen zu kämpfen hatten. Eine Strategie war, dezentrale Kunstfilialen einzurichten und damit den Fokus mehr auf die Künstlernetzwerke in den Kiezen und die dort sprießende Kunstszene zu richten. Netzwerke aufzubauen ist ganz auf meiner Linie, das hat mir von Anfang an am meisten gefallen: die Kooperation mit den Künstlern vor Ort.
Gibt es ein künstlerisches Highlight, das du persönlich aus den Jahren so mitgenommen hast?
Ilka: Tja, da gibt es eigentlich nicht nur eins, sondern ganz viele. Schön sind die unerwarteten Dinge, die einen überraschen. Als Festivalleitung kennt man aus der Planung jedes einzelne Projekt auswendig und weiß was dahinter steht. Aber die Aufführung selbst ist immer wieder aufregend. Ein Highlight war für mich 2007 die Reihe „Über den Dächern von Neukölln“, die eigentlich überhaupt keine Finanzierung hatte und komplett von den beteiligten Künstlern getragen wurde. Da gab es unter dem Titel Sander 26 eine Gruppe von acht TänzerInnen, die im Reuter-Quartier wohnten und die dann in einem Innenhof eine abendliche Performance vom Feinsten hingelegt haben. Alle Nachbarn hatten ihre Fenster geöffnet, performten mit und waren involviert. Und wir anderen standen alle eng aneinandergepresst im Hof und blickten staunend in die Höhe auf dieses Zusammenspiel. Eine ganz besondere Atmosphäre. Und ganz unkünstlerisch: Weil der Teltowkanal 2006 einhundert Jahre alt wurde, gab es die Überlegung, auch mal Kunst ans Wasser zu bringen, an den Neuköllner Schifffahrtskanal. Dadurch ist eine Neuköllner Ruderregatta entstanden, an der sich viele Unternehmen bis heute beteiligen. Das Kulturnetzwerk Neukölln stellte auch ein Frauenteam zusammen. Wir saßen dann alle im Ruderboot, haben wochenlang trainiert und uns wacker geschlagen. Zum Glück sind wir nicht gekentert, wie zum Beispiel das Boot vom Estrel-Hotel. Wir haben über diese Aktion so gute Kontakte zu den anderen Firmen bekommen, das hat sich anschließend sehr positiv auf das Sponsoring ausgewirkt. Fazit: unsere qualvolle sportliche Betätigung hat sich tatsächlich gelohnt. Im zweiten Jahr war unser Team dann bereits so gut, dass es unseren langjährigen Sponsor, das Männerboot vom Fernheizwerk Neukölln, überholt hat.
Was war für dich jeweils der schönste Moment des Festivals?
Ilka: Auch wenn es total aufregend ist, endlich all das Langgeplante realisiert zu sehen, an dem Wochenende des Festivals nämlich, muss ich sagen, dass ich die Treffen ganz besonders liebe, die im engeren Kreis nach dem Festival stattfinden, mit all denen, die die Wege und Geschicke des Festivals begleiten. Dazu zählen auch die Leute in den Kunstfilialen. Wenn wir also völlig ermattet in der großen Sommerhitze zusammen sitzen und noch mal alles Revue passieren lassen, was so gelaufen ist und dann aus dieser Ermattung heraus bereits an neuen Ideen stricken und darüber wieder neue Kraft zu schöpfen. Gerade diese Fähigkeit aller Mitstreiter, gleich wieder an die Zukunft zu denken, neue Ideen zu entwickeln, dabei Spaß zu haben und dem nächsten Festival dadurch wieder Form und Inhalt zu geben, das hat mir immer am meisten gefallen.
Du hast 2009 die Leitung des Festivals an Martin Steffens abgegeben. Was hat dich zu diesem Schritt bewogen?
Ilka: Ganz lapidar: Nach vier Jahren war die Zeit reif. Nein, im Ernst, Anfang 2008 habe ich die Geschäftsführung des Kulturnetzwerks übernommen, habe in dem Jahr das Festival aber noch zusammen mit Martin gestaltet, dadurch war das für uns beide ein sehr entspannter Übergang. Ich konnte so glücklicherweise das bis dahin sich vom Volumen her noch mal verdoppelte Festival ohne Probleme oder Brüche übergeben und bin ja auch jetzt immer noch im Hintergrund da – ohne geht irgendwie auch nicht.
Wenn plötzlich von Zauberhand ein regelmäßiger Geldsegen, sei es durch den Bürgermeister oder durch einen großzügigen Sponsor, auf 48-Stunden-Neukölln regnen würde. Wofür würdest Du das Geld spontan ausgeben?
Ilka: Endlich mal all jene Projekte realisieren, die wir immer schon groß planen, um die wir lange kämpfen und wo wir dann leider am Ende sagen müssen: wir schaffen es nicht, weil wir keinen Geldgeber finden konnten. Super wäre natürlich auch, wenn wir wirklich allen Künstlern ein angemessenes Honorar bezahlen könnten, dann würden wir allerdings so an die 10 Millionen brauchen. Das wäre niemals realistisch. Eine bessere Wertschätzung für Kunst und die Kraft, die aus diesen Projekten erwächst, und für die Arbeit der Künstler würde ich mir aber wünschen. Ist aber nicht mit Geld zu bezahlen.
Ilka, wir bedanken uns für das Gespräch.























