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Der Mann der ersten Stunde


Von Ulrike Dörner

Wie die treuen Leser unseres Festival-Blogs ja bereits wissen, werfen wir auch einen Blick hinter die Kulissen. Nach dem Interview mit Ilka Normann, der vorherigen Leiterin des Festivals, haben wir jetzt mit Jürgen Maier gesprochen. Jürgen Maier war von 1996 bis 1999 Gründungs-Vorstand und Geschäftsführer vom Kulturnetzwerk Neukölln und hat 1999 die ersten 48-Stunden als Festival-Leiter aus der Taufe gehoben. Nach seiner Tätigkeit als Kaufmännischer Geschäftsführer der Kulturveranstaltungen des Bundes in Berlin GmbH ist Jürgen Maier 2006 als Kaufmännischer Direktor und Vorstand des Goethe-Instituts nach München gezogen.

Ein Blick zurück zu den Anfängen von 48-STUNDEN-NEUKÖLLN:

Jürgen Maier, mit welchen Schwierigkeiten hatten Sie zu kämpfen, als 48-STUNDEN-NEUKÖLLN zum ersten Mal organisiert wurde?

Die Hauptaufgabe war zu vermitteln, was das überhaupt sein soll, diese „48 Stunden Neukölln“ – den Kulturleuten, der Politik, der Wirtschaft, den Medien. Dann mussten im  Kulturnetzwerk zunächst die professionellen Strukturen für solch ein Format aufgebaut werden – wobei wir mitten in der heißen Phase auch noch mit dem ganzen Kulturnetzwerk umgezogen sind. Internet und Mail-Kommunikation waren damals noch keine Selbstverständlichkeit, nicht allzu viele hatten ein Handy. Die Finanzierung war auch kein Vergnügen, wir hatten große Pläne und Anträge, die fast alle gescheitert sind. Es galt also, immer noch was in petto zu haben: einen Plan B, dann einen Plan C, dann einen Plan D … Und dabei immer das Tempo hochhalten, damit keiner auf die Idee kommt, das Ganze könnte scheitern.

Welcher Teil Ihrer Arbeit hat Ihnen am meisten Spass gemacht?

Es gibt bei fast allen Projekten immer zwei Phasen, die besonders Spaß machen: die erste ist die Phase der Ideenentwicklung, wo man die Bäume in den Himmel wachsen lässt und die ersten Mitstreiter (hoffentlich) begeistert. Die zweite ist die Phase der ersten Sichtbarwerdung, wo all das, was man seit Monaten im Kopf hat, aber nur schwer vermitteln konnte, vorzeigbar wird. Bei „48 Stunden Neukölln 1999“ war dies rund vier, fünf Wochen vorher, als die meisten Veranstaltungen bekannt waren, eine Dramaturgie für die zwei Tage gebaut war und das Design und die Kommunikation festgeklopft wurden. Dummerweise gehöre ich zu den Menschen, die die dritte Phase, nämlich die eigentliche Veranstaltung, nie richtig entspannt genießen können. Aber hinterher laufe ich ganz gerne sinnierend durch die wieder leeren Szenerien (vgl. Franz Beckenbauer nach dem WM-Finale 1990). Wie jeder vernünftige Mensch halte ich die Abrechnungsphase für etwas extrem Zähes – ich war aber durchaus froh, als später alle Nachweise von den Geldgebern klaglos akzeptiert worden waren und damit eine wichtige Voraussetzung für die Weiterführung gegeben war.

Hat Ihnen Ihre Arbeit als Leiter des Festivals für Ihre weitere Karriere etwas gebracht?

Selbstverständlich. Neukölln ist ein kulturelles und soziales Laboratorium und wenn man die Chance hat, dort ein solches Mega-Projekt zu organisieren, dann ist man gewappnet für das Leben da draußen.

Man erhält Einblicke in alle Höhen und Tiefen des Kulturschaffens, wenn man sich mit Dutzenden von verschiedensten Akteuren über ihre Projektideen austauscht. Man lernt das Ineinandergreifen von kulturellen, politischen, wirtschaftlichen und sozialen Systemen hautnah kennen, weil das Festival in alle Winkel des Bezirks ausgreift. Und man entwickelt ein tieferes Verständnis dafür, dass Menschen unterschiedlich sein müssen, wenn sie gemeinsam etwas zuwege bringen wollen.

Verfolgen Sie 48-STUNDEN-NEUKÖLLN noch aus der Ferne, bzw. waren Sie als Besucher noch einmal dort?

Als ich noch in Berlin lebte, war ich regelmäßig bei den Eröffnungsabenden dabei, seither kann ich es nur von Ferne beobachten, leider auch dieses Jahr. Ich weiß, dass ein Festival dieser Art kein Selbstläufer ist und freue mich, dass es immer wieder neue Köpfe gibt, die gleichermaßen kreativ und diszipliniert sind, um so etwas zu stemmen. Toi, toi, toi.

Herr Maier, ich bedanke mich für dieses Gespräch.

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