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Hellwach mit 48 STUNDEN NEUKÖLLN

von Ulrike Dörner

Unser Stand auf dem Alt-Rixdorfer-Weihnachtsmarkt (3. – 5. Dezember 2010) war gut besucht und unsere brandneuen 48 STUNDEN NEUKÖLLN –Fan-Produkte fanden einen reißenden Absatz: Die Kultur-Uhr im Streichholzschachtel-Format („Hellwach mit 48 STUNDEN NEUKÖLLN“), das Memory-Spiel mit den schönsten Fotomotiven des Festivals von 2010 oder die Kaminhölzer “Feuer und Flamme für Kultur”. Und natürlich für alle Hardcore-Fans: die T-Shirts vom letzten Festival (garantiert ungetragen). Mit dem Kauf der 48 STUNDEN NEUKÖLLN – Produkte werden gleich zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen: ein originelles Geschenk für sich oder andere und zur Erhaltung der Kultur in unserem Kiez wird auch beigetragen. Mit dem Kauf eines unserer Produkte wird die Kultur in Neukölln mit einem Betrag von 1,- bis 5,- € unterstützt.

Erhältlich in:

KGB 44, Hertzbergstraße 1, 12055 Berlin

Galerie R31,  Reuterstraße 31, 12047 Berlin

Kulturnetzwerk Neukölln, Karl-Marx-Straße 131, 12043 Berlin

Internetredaktion, Facebook-Gruppe “48 Stunden Neukölln”

und am 11. Dezember 2010 von 16 – 23 Uhr beim Late Light Shopping
in der Passage der Karl-Marx-Straße

Wir freuen uns auf Euch!

Das 48 STUNDEN NEUKÖLLN – Team

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Hinweis auf ein TAZ-Interview zum Thema

Liebe Blog-LeserInnen,

im Rahmen unserer Interview-Reihe zum Thema „Integration“ in unserem Festival-Blog möchten wir auf ein Interview vom 3. Oktober 2010 in der TAZ hinweisen, welches Konrad Litschko mit Hüseyin Ekici (Hauptdarsteller des Stückes „Arabboy“ im Theater „Heimathafen-Neukölln“) geführt hat.

http://www.taz.de/1/berlin/berliner-koepfe/artikel/1/mein-traum-waere-tuerkei-und-am-ende-hollywood/

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Von der Berührung mit Kunst - Ein 48-Stunden-Erlebnis

Ohne Titel, Foto: Olivia Guigue

Von Michaela Kirschning

Eine junge Frau in dunkler Bekleidung läuft einen Parkweg entlang. Rückenansicht. In einiger Entfernung, zur Linken des Wegs kommt ihr eine dunkel gekleidete Gestalt entgegen, die von der dichten Vegetation größtenteils verdeckt ist. Hinter einem Busch auf der rechten Bildseite kommt ein weiteres Beinpaar zum Vorschein – ein Detail, das man nur wahr nimmt, wenn man lange genug hinschaut. Die Szenerie an sich ist nicht spektakulär, sondern beinahe alltäglich. Ungewöhnlich hingegen ist das Format der Fotografie, die mit ihren 2,50 x 1,60 m eine Präsenz schafft, die mich immer tiefer in das festgehaltene Geschehen hinein zieht.

Ich beginne, die Signale und Zeichen in der Parklandschaft zu scannen und zu deuten. Das ist ein alltäglicher Vorgang, der permanent, aber weitgehend unbewusst abläuft und auch unserer Spezies seit Jahrtausenden das Überleben sichert.

Die zufällige Konstellation der Personen auf der Fotografie, von der Künstlerin aufgenommen und somit „eingefroren“ (wohlgemerkt mit einem Gefühl für den perfekten Augenblick) löst eine ganze Reihe von Emotionen, Fragen und letztlich Erkenntnissen aus. Ich versetze mich in die Frau auf dem Foto, frage mich, was in diesem Augenblick wohl in ihr vorgeht. Während ich das Bild aus einer gewissen Entfernung betrachte, werde ich selbst zu einem Teil der Szenerie und verwandle mich in die Person, die der Frau auf dem Weg folgt, wobei ich zugleich die Perspektive der Künstlerin einnehme.

Viel später, zuhause in den eigenen vier Wänden, beschäftigt mich noch immer, was ich beim Betrachten der Fotografie erlebt habe. Warum hinterlässt gerade diese Arbeit einen solch tiefen Eindruck bei mir?

Abgesehen von der komplexen Bildkomposition (die der Fotografin zu Folge nicht gestellt wurde) spielt bei der Wirkung eines Kunstwerks das Prinzip der Resonanz mit Sicherheit eine entscheidende Rolle. Etwas an dem Bild hat mich angesprochen und dazu gebracht, mich einzulassen und genauer hin zu schauen. Das hat mich schließlich von der im Bild festgehaltenen konkreten Situation weggebracht, hin zu einer Betrachtung der dahinter liegenden Muster. Letztlich hat mich die großformatige Fotografie dazu inspiriert, über Phänomene im Bereich der „Wahrnehmung“ nachzudenken.

Kindl Brauerei, Foto: Gregor von Glinski

Als Mensch, zumal als Städterin bin ich ständig damit beschäftigt, aus der Fülle der Signale, die meine Umgebung aussendet, zu selektieren, zu deuten und zu entscheiden, was für mich persönlich von Bedeutung ist und meine Aufmerksamkeit oder Wachsamkeit verdient. Insofern stellt die Fülle und Vielfalt der visuellen und akustischen Impressionen, denen wir Großstadtmenschen in hohem Maße ausgesetzt sind, eine spezielle Herausforderung dar. Mir scheint, dass für das Kunst- und Kulturfestival 48 Stunden Neukölln Ähnliches gilt. Das Festival bietet eine Fülle von Möglichkeiten, sich ein individuelles Programm zusammen zu stellen und den eigenen Spuren zu folgen. Dafür muss ich als BesucherIn allerdings die „Leistung“ erbringen, mich eingehend mit dem Angebot zu beschäftigen. Ich könnte mir vorstellen, dass für Menschen, die Kunst und Kultur nicht nur konsumieren wollen, genau dieser Aspekt des Festivals besonders reizvoll ist.

In den letzten drei Jahren habe ich wiederholt Entdeckungen gemacht, sprich ich bin mit Arbeiten in Berührung gekommen, die einen bleibenden Eindruck hinterlassen haben. Darunter waren auch sehr spezielle Arbeiten zu speziellen Themen, die an entlegenen Orten präsentiert wurden und nicht unbedingt ein Besuchermagnet waren. Bei den 48 Stunden Neukölln hat auch das Ausgefallene seinen Platz.

Aus der Perspektive des Organisationsteams der 48 Stunden Neukölln, dem auch ich angehöre, ist was das Wachstum der Veranstaltung anbelangt, in diesem Jahr eindeutig eine Grenze erreicht worden. In den kommenden Monaten wird es darum gehen, nach Lösungen zu suchen, die Zahl der Veranstaltungen in einem überschaubaren Rahmen zu halten, ohne den offenen Charakter des Festivals zu gefährden. Wir verstehen die 48 Stunden Neukölln als einen offenen Raum, der von den vielen Akteuren gemeinsam gestaltet wird und ich möchte an dieser Stelle nochmals an alle LeserInnen appellieren, mit einem eigenen Beitrag im Blog Impulse zu setzen und sich auf diese Weise aktiv an der Gestaltung des Festivals zu beteiligen.

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Nach dem Festival ist vor dem Festival

Von Ulrike Dörner

48 STUNDEN NEUKÖLLN sind bei traumhaftem Wetter und trotz Fussball-WM mit großem Erfolg über die Bühne(n) gegangen. In unserer Reihe „hinter den Kulissen des Festivals“ unterhalten wir uns jetzt mit Martin Steffens, seit 2008 in der Festivalleitung.

Lieber Martin, zunächst die Frage, die auch schon deine Vorgänger gestellt bekommen haben: Was hat Dir persönlich am besten gefallen?

Gefallen hat mir, dass das Festival ohne große Zwischenfälle mit guter Laune und bei gutem Wetter stattgefunden hat. Besonders freue ich mich über die zahlreichen Neugierigen, die Neukölln und die zahlreichen Kunstorte erkunden und dabei (fast wie bei einer Schnitzeljagd) spannende Dinge aufspüren.

Für mich selbst gab es auch viele positive Überraschungen. Klasse Kunst, nette Menschen und auch für mich neue Konstellationen und Zusammentreffen.

Immer wieder bin ich erstaunt über das ungeheure Engagement aller Beteiligten. Zufrieden bin ich auch mit der Resonanz von BesucherInnen und KünstlerInnen, die uns ein gutes Gefühl gegeben haben.

Wird es bei den zukünftigen 48-STUNDEN Veränderungen geben? Und wenn ja, welche?

Jede 48 STUNDEN NEUKÖLLN sind neu. Wir versuchen aber, im kommenden Jahr einige Schrauben zu verstellen. Wir freuen uns daher auf anregende Gespräche mit den unterschiedlichen Akteuren und den BesucherInnen. Denn wir selbst erleben ja möglicherweise eine „andere“ Veranstaltung als jene, die zum ersten Mal kommen. Unser Ziel ist es, das Festival 2011 übersichtlicher zu gestalten. Wir werden versuchen, die Anzahl der teilnehmenden Orte zu verringern, ohne den offenen Charakter des Festivals zu gefährden. Das Thema wird wichtiger werden und von daher auch die inhaltliche Auseinandersetzung weiter in den Fokus rücken.

Die allgemeine Wirtschaftslage wird ja nicht besser. Meinst Du, dass das Festival mit drastischen Kürzungen rechnen muss?

Ich bin zuversichtlich. Die Finanzierung von Seiten des Bezirksamts ist voraussichtlich nicht gefährdet. Die [Aktion! Karl-Marx-Straße] wird in den nächsten Jahren die Organisation der Kunstfiliale Passage unterstützen und unsere treuen Sponsoren werden uns zweifellos auch nach Kräften unterstützen. Genug Geld kann ein Festival von der Größenordnung der 48 STUNDEN NEUKÖLLN niemals haben.

Betonen muss ich aber, dass das meiste Geld von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern eingebracht wird, ohne deren Arbeit und Eigenfinanzierung nichts oder doch nur wenig laufen würde.

Wir gehen mal davon aus, dass es im nächsten Jahr wieder 48 STUNDEN NEUKÖLLN geben wird. Welchen thematischen Schwerpunkt wird das Festival haben?

Wir wagen uns an ein provokantes Thema. Es geht um das Spannungsfeld von Luxus und Existenz. Es gibt ja gerade heftige Debatten um eine drohende oder bereits einsetzende Gentrifizierung in Neukölln und den Anteil der KünstlerInnen an diesem Prozess. Zugleich stellt sich aber auch die Frage, ob Kunst Luxus ist oder nicht eher ein existenzielles Ausdrucks- und „Lebensmittel“. Auch wollen wir Künstlerinnen und Künstler ermuntern, ihre Lebensrealität im Kontext gesellschaftlicher Prozesse zu reflektieren; dabei aber auch über den Tellerrand der eigenen Erfahrung hinaus zu schauen. Ich glaube, dass wir damit vielfältige Projekte anstoßen und realisieren können, die dann wiederum wichtige Impulse in die Gesellschaft geben.

Lieber Martin, vielen Dank für dieses Gespräch.

Die Frage „Wie zeigt sich 48 STUNDEN in der Zukunft“ wollen wir gerne zur Diskussion in den Blog stellen. Schreibt uns als Kommentare eure Meinung und eure Vorschläge dazu.

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Der Mann der ersten Stunde


Von Ulrike Dörner

Wie die treuen Leser unseres Festival-Blogs ja bereits wissen, werfen wir auch einen Blick hinter die Kulissen. Nach dem Interview mit Ilka Normann, der vorherigen Leiterin des Festivals, haben wir jetzt mit Jürgen Maier gesprochen. Jürgen Maier war von 1996 bis 1999 Gründungs-Vorstand und Geschäftsführer vom Kulturnetzwerk Neukölln und hat 1999 die ersten 48-Stunden als Festival-Leiter aus der Taufe gehoben. Nach seiner Tätigkeit als Kaufmännischer Geschäftsführer der Kulturveranstaltungen des Bundes in Berlin GmbH ist Jürgen Maier 2006 als Kaufmännischer Direktor und Vorstand des Goethe-Instituts nach München gezogen.

Ein Blick zurück zu den Anfängen von 48-STUNDEN-NEUKÖLLN:

Jürgen Maier, mit welchen Schwierigkeiten hatten Sie zu kämpfen, als 48-STUNDEN-NEUKÖLLN zum ersten Mal organisiert wurde?

Die Hauptaufgabe war zu vermitteln, was das überhaupt sein soll, diese „48 Stunden Neukölln“ – den Kulturleuten, der Politik, der Wirtschaft, den Medien. Dann mussten im  Kulturnetzwerk zunächst die professionellen Strukturen für solch ein Format aufgebaut werden – wobei wir mitten in der heißen Phase auch noch mit dem ganzen Kulturnetzwerk umgezogen sind. Internet und Mail-Kommunikation waren damals noch keine Selbstverständlichkeit, nicht allzu viele hatten ein Handy. Die Finanzierung war auch kein Vergnügen, wir hatten große Pläne und Anträge, die fast alle gescheitert sind. Es galt also, immer noch was in petto zu haben: einen Plan B, dann einen Plan C, dann einen Plan D … Und dabei immer das Tempo hochhalten, damit keiner auf die Idee kommt, das Ganze könnte scheitern.

Welcher Teil Ihrer Arbeit hat Ihnen am meisten Spass gemacht?

Es gibt bei fast allen Projekten immer zwei Phasen, die besonders Spaß machen: die erste ist die Phase der Ideenentwicklung, wo man die Bäume in den Himmel wachsen lässt und die ersten Mitstreiter (hoffentlich) begeistert. Die zweite ist die Phase der ersten Sichtbarwerdung, wo all das, was man seit Monaten im Kopf hat, aber nur schwer vermitteln konnte, vorzeigbar wird. Bei „48 Stunden Neukölln 1999“ war dies rund vier, fünf Wochen vorher, als die meisten Veranstaltungen bekannt waren, eine Dramaturgie für die zwei Tage gebaut war und das Design und die Kommunikation festgeklopft wurden. Dummerweise gehöre ich zu den Menschen, die die dritte Phase, nämlich die eigentliche Veranstaltung, nie richtig entspannt genießen können. Aber hinterher laufe ich ganz gerne sinnierend durch die wieder leeren Szenerien (vgl. Franz Beckenbauer nach dem WM-Finale 1990). Wie jeder vernünftige Mensch halte ich die Abrechnungsphase für etwas extrem Zähes – ich war aber durchaus froh, als später alle Nachweise von den Geldgebern klaglos akzeptiert worden waren und damit eine wichtige Voraussetzung für die Weiterführung gegeben war.

Hat Ihnen Ihre Arbeit als Leiter des Festivals für Ihre weitere Karriere etwas gebracht?

Selbstverständlich. Neukölln ist ein kulturelles und soziales Laboratorium und wenn man die Chance hat, dort ein solches Mega-Projekt zu organisieren, dann ist man gewappnet für das Leben da draußen.

Man erhält Einblicke in alle Höhen und Tiefen des Kulturschaffens, wenn man sich mit Dutzenden von verschiedensten Akteuren über ihre Projektideen austauscht. Man lernt das Ineinandergreifen von kulturellen, politischen, wirtschaftlichen und sozialen Systemen hautnah kennen, weil das Festival in alle Winkel des Bezirks ausgreift. Und man entwickelt ein tieferes Verständnis dafür, dass Menschen unterschiedlich sein müssen, wenn sie gemeinsam etwas zuwege bringen wollen.

Verfolgen Sie 48-STUNDEN-NEUKÖLLN noch aus der Ferne, bzw. waren Sie als Besucher noch einmal dort?

Als ich noch in Berlin lebte, war ich regelmäßig bei den Eröffnungsabenden dabei, seither kann ich es nur von Ferne beobachten, leider auch dieses Jahr. Ich weiß, dass ein Festival dieser Art kein Selbstläufer ist und freue mich, dass es immer wieder neue Köpfe gibt, die gleichermaßen kreativ und diszipliniert sind, um so etwas zu stemmen. Toi, toi, toi.

Herr Maier, ich bedanke mich für dieses Gespräch.

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Die Frau, die die Geschicke lenkt

von Ulrike Dörner

Wir wollen in unserem Festival-Blog in einzelnen Interviews auch die Menschen vorstellen, die hinter den Kulissen von 48-Stunden-Neukölln arbeiten.

Unser erstes Gespräch führen wir mit Ilka Normann, die vier Jahre lang das Festival geleitet hat, bis sie die Leitung im letzten Jahr an Martin Steffens übergeben hat.

Ilka Normann ist seit 2008 Geschäftsführerin des Kulturnetzwerk Neukölln e.V., welches die 48-Stunden-Neukölln seit 1999 veranstaltet. Ilka Normann hat davor bereits einige Jahre lang im Museum Neukölln für das Festival gearbeitet und war somit von Anfang an dabei.

Ilka, du hast 2005 die Leitung des Kulturfestivals 48-Stunden-Neukölln übernommen. Was hat dich an dieser Aufgabe besonders gereizt?

Ilka: Gereizt hat mich einfach die Größe des Ganzen. Es war schon zu dem Zeitpunkt klar, dass das so an die 100 Orte sein werden. Aber was die Anerkennung anbelangt, da hatte das Festival sowohl seitens der Kultureinrichtungen und Künstler als auch der Politik seinen Tiefpunkt erreicht. In den Jahren zuvor wechselte die Projektleitung häufig, es hatte keine klare Stringenz und es war klar, dass  wir gegen viele Windmühlen zu kämpfen hatten. Eine Strategie war, dezentrale Kunstfilialen einzurichten und damit den Fokus mehr auf die Künstlernetzwerke in den Kiezen und die dort sprießende Kunstszene zu richten. Netzwerke aufzubauen ist ganz auf meiner Linie, das hat mir von Anfang an am meisten gefallen: die Kooperation mit den Künstlern vor Ort.

Gibt es ein künstlerisches Highlight, das du persönlich aus den Jahren so mitgenommen hast?

Ilka: Tja, da gibt es eigentlich nicht nur eins, sondern ganz viele. Schön sind die unerwarteten Dinge, die einen überraschen. Als Festivalleitung kennt man aus der Planung jedes einzelne Projekt auswendig und weiß was dahinter steht. Aber die Aufführung selbst ist immer wieder aufregend. Ein Highlight war für mich 2007 die Reihe „Über den Dächern von Neukölln“, die eigentlich überhaupt keine Finanzierung hatte und komplett von den beteiligten Künstlern getragen wurde. Da gab es unter dem Titel Sander 26 eine Gruppe von acht TänzerInnen, die im Reuter-Quartier wohnten und die dann in einem Innenhof eine abendliche Performance vom Feinsten hingelegt haben. Alle Nachbarn hatten ihre Fenster geöffnet, performten mit und waren involviert. Und wir anderen standen alle eng aneinandergepresst im Hof und blickten staunend in die Höhe auf dieses Zusammenspiel. Eine ganz besondere Atmosphäre. Und ganz unkünstlerisch: Weil der Teltowkanal 2006 einhundert Jahre alt wurde, gab es die Überlegung, auch mal Kunst ans Wasser zu bringen, an den Neuköllner Schifffahrtskanal. Dadurch ist eine Neuköllner Ruderregatta entstanden, an der sich viele Unternehmen bis heute beteiligen. Das Kulturnetzwerk Neukölln stellte auch ein Frauenteam zusammen. Wir saßen dann alle im Ruderboot, haben wochenlang trainiert und uns wacker geschlagen. Zum Glück sind wir nicht gekentert, wie zum Beispiel das Boot vom Estrel-Hotel. Wir haben über diese Aktion so gute Kontakte zu den anderen Firmen bekommen, das hat sich anschließend sehr positiv auf das Sponsoring ausgewirkt. Fazit: unsere qualvolle sportliche Betätigung hat sich tatsächlich gelohnt. Im zweiten Jahr war unser Team dann bereits so gut, dass es unseren langjährigen Sponsor, das Männerboot vom Fernheizwerk Neukölln, überholt hat.

Was war für dich jeweils der schönste Moment des Festivals?

Ilka: Auch wenn es total aufregend ist, endlich all das Langgeplante realisiert zu sehen, an dem Wochenende des Festivals nämlich, muss ich sagen, dass ich die Treffen ganz besonders liebe, die im engeren Kreis nach dem Festival stattfinden, mit all denen, die die Wege und Geschicke des Festivals begleiten. Dazu zählen auch die Leute in den Kunstfilialen. Wenn wir also völlig ermattet in der großen Sommerhitze zusammen sitzen und noch mal alles Revue passieren lassen, was so gelaufen ist und dann aus dieser Ermattung heraus bereits an neuen Ideen stricken und darüber wieder neue Kraft zu schöpfen. Gerade diese Fähigkeit aller Mitstreiter, gleich wieder an die Zukunft zu denken, neue Ideen zu entwickeln, dabei Spaß zu haben und dem nächsten Festival dadurch wieder Form und Inhalt zu geben, das hat mir immer am meisten gefallen.

Du hast 2009 die Leitung des Festivals an Martin Steffens abgegeben. Was hat dich zu diesem Schritt bewogen?

Ilka: Ganz lapidar: Nach vier Jahren war die Zeit reif. Nein, im Ernst, Anfang 2008 habe ich die Geschäftsführung des Kulturnetzwerks übernommen, habe in dem Jahr das Festival aber noch zusammen mit Martin gestaltet, dadurch war das für uns beide ein sehr entspannter Übergang. Ich konnte so glücklicherweise das bis dahin sich vom Volumen her noch mal verdoppelte Festival ohne Probleme oder Brüche übergeben und bin ja auch jetzt immer noch im Hintergrund da – ohne geht irgendwie auch nicht.

Wenn plötzlich von Zauberhand ein regelmäßiger Geldsegen, sei es durch den Bürgermeister oder durch einen großzügigen Sponsor, auf 48-Stunden-Neukölln regnen würde. Wofür würdest Du das Geld spontan ausgeben?

Ilka: Endlich mal all jene Projekte realisieren, die wir immer schon groß planen, um die wir lange kämpfen und wo wir dann leider am Ende sagen müssen: wir schaffen es nicht, weil wir keinen Geldgeber finden konnten. Super wäre natürlich auch, wenn wir wirklich allen Künstlern ein angemessenes Honorar bezahlen könnten, dann würden wir allerdings so an die 10 Millionen brauchen. Das wäre niemals realistisch. Eine bessere Wertschätzung für Kunst und die Kraft, die aus diesen Projekten erwächst, und für die Arbeit der Künstler würde ich mir aber wünschen. Ist aber nicht mit Geld zu bezahlen.

Ilka, wir bedanken uns für das Gespräch.

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Das 48-Stunden-Team in der heißen Phase

Gaby mit heißen Ohren,  Foto: Ulrike Dörner

von Ulrike Dörner

Seit Tagen laufen hier im Kulturnetzwerk in den Räumen des 48-Stunden-Teams die Computer auf Hochtouren.

Inna, Gaby, Bernd und Andreas haben schon rechteckige Augen, weil sie den ganzen Tag auf ihren Monitor starren auf der Suche nach Fehlerteufelchen in den Veranstaltungen.

Und die Uhr läuft!

Inna versucht verzweifelt so nebenher gelbe Käppis aufzutreiben, die eine Künstlerin für eine Performance braucht. Sofort kommt die Frage: „Wie viele denn“? „Na ja, vielleicht so tausend oder auch mehr“. „Dann versuch’s doch mal bei der BVG, die haben doch solche Käppis, oder“? Glücklich rennt Inna zu ihrem Schreibtisch und greift zum Telefon. Die Blogschreiberin versucht gerade, einen alten „Commodore Amiga“ Computer aufzutreiben, als Leihgabe für eine Ausstellung. Im Technik-Museum hat sie dann Glück. Es ist zwar kein Amiga, aber einer, der so ähnlich aussieht. Egal, wenn einem die Zeit im Nacken sitzt, wird man immer kompromissbereiter.

Inna hat gerade bei der BVG eine Absage bekommen, weil die ihre gelben Käppis nur für Erstklässler anfertigen lassen, aber die sind abgezählt und wären auch zu klein. Also muss sie nach Alternativen suchen. Vielleicht steht ja noch irgendwo ein Container mit grünen Käppis rum, wer weiß. Die erste Tugend hier im 48-Stunden-Team ist Flexibilität! Michaela scrollt sich durch unser Foto-Archiv, auf der Suche nach exzellenten Fotos für die Presse. Edel sitzt über den Daten und Eva richtet unseren Blog ein. Zwischendurch tauchen immer mal wieder Künstler auf, die nicht sicher sind, ob sie ihre Daten richtig eingegeben haben oder gar keinen Internet-Anschluss haben. Auch denen wird geduldig geholfen. „Hat jemand Martin gesehen“? „Ja, der ist auf einem Termin, kommt aber noch mal rein“!

Alles wird gut! So langsam glauben alle daran. Und zwischendurch immer mal wieder die Bemerkung: „Hört mal alle, unser Blog startet in zehn Tagen! Wer schreibt den ersten Beitrag“? Plötzlich sind alle zu sehr beschäftigt, um darauf zu antworten. Eifriges Gewusel in allen Räumen. Und die Käppis sind immer noch nicht gefunden. Aber morgen ist ein neuer Tag!

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